Heiligabend 2015

lichtspiel

das licht der welt
erblickt das licht der welt
und lächelt augenzwinkernd
wie beim blick in einen spiegel
sich selbst freundlich zu

das licht der welt
erblickt die finsternis der welt
und diese hell erfreut
kennt sich selbst nicht wieder
strahlend vor glück

Andreas Knapp – Kleiner Bruder der Gemeinschaft von Charles de Foucauld

ich wünsche Dir ein beglücktes Ankommen am vorläufigen Ende dieses Weges,
erholsame Tage, die Deine Seele nähren,
tiefe Freude am Sein,
und ab und zu ein Augenzwinkern,
und all dies umhüllt und durchströmt von reichem Segen,

ganz herzliche Grüße
Christa Maria Mara

25. Tag im Advent 2015

Ihr lieben Menschen,

die äußerlich sichtbare Sonnenwende liegt gerade hinter uns
und findet zugleich auf verschiedenen Ebenen weiterhin prozesshaft in uns statt.
Was im planetarischen Rhythmus nachweislich und messbar ist,
braucht bestenfalls mindestens einen tiefen Atemzug- einen Tag einatmen, einen Tag ausatmen, einen Tag Atempause-,
bis es aus dem Verstand in unser Herz gelangen kann, bis es wirklich in unser Leben, in unsere Realität hinein geboren ist.

So sind wir im Moment alle Gebärende.
Wir sind eingeladen, uns selbst, unser hohes, heiles Selbst, unser Verbunden-Sein mit der reinen Quelle des Lichts mehr und mehr in diese Welt, in unser Leben hinein zu inkarnieren.
Dieses Kind in uns ist heil und heilig. In ihm in uns liegt unsere heilende und transformierende Kraft für unser Leben.
Der Zen-Meister und zugleich Benediktinerpater in einer Person, Willigis Jäger, bringt dies in folgender Weise in Worte:

„Im Innersten ist diese Welt heil und in Ordnung. Sie ist heil und damit auch heilig.
In dieses Innerste der Welt, dem wir den Namen Gott gegeben haben, sind wir alle zusammengeschlossen und eingeschlossen.
Das Heilen Jesu war nichts anderes, als dass er die Kranken wieder an dieses ihr Innerstes anschloss. Das Heil, der Urgrund allen Seins hat geheilt, weil er die Menschen öffnen konnte für dieses Heil in ihrem Innern.
Auch wir sind angeschlossen an dieses Heil. Es ist unsere Mitte. Es ist in uns und es gilt, diese heilende Kraft zu aktivieren, indem wir ihr Raum geben. Es gibt kein größeres Heilmittel als unser tiefstes Wesen. Heilung bedeutet uns zu öffnen für diese unsere Mitte.
Die Mitte ist heil und heilig, und dort liegt unsere transformierende Kraft.
Der Körper ist ein unbegrenztes Feld von Informationen und Rezeptionen, die wir freisetzen können, wenn wir ruhig werden und uns auf unsere Mitte ausrichten.
Je mehr wir uns öffnen und ruhig werden können, je mehr werden wir von innen verwandelt. Die Naturwissenschaft sagt: Geist verwandelt sich in das, was wir Materie nennen.
Heilung geschieht, wenn wir die Grenzen des Alltags soweit zurücknehmen können, dass das Heil erfahrbar wird. Es geht letztendlich darum, unser Leben in Einklang mit dieser Urkraft des Heiles zu bringen.“

Willigis Jäger

Vielleicht geht es Dir wie mir, dass es noch eine Menge zu tun gibt, damit Du mit Deinen Lieben- oder auch ganz alleine für Dich- das Fest so feiern kannst, wie es Dir wirklich gut tut, Dich empfänglich und bereit macht für das Besondere, das Erhebende und Heilende, was geschehen will.
Wenn Dich bei den letzten Vorbereitungen diese Gedanken ein wenig anstiften, so dass der tiefere Grund Dich mit Leichtigkeit die mehr vordergründigen Dinge tun lässt, dann freut es mich.

Ich wünsche Dir einen guten Abend
und grüße Dich herzlich
Christa Maria Mara

24. Tag im Advent 2015

Link

Ihr Lieben,

heute Morgen um 5.48 Uhr hat sich die Wende der Sonne vollzogen
und ganz langsam
und in den ersten Tagen fast nicht wahrnehmbar,
beginnen die Tage wieder länger zu werden.
Das Lichtkind ist geboren.
Das Leben will sich wieder aufsteigend bewegen.

ans Licht

Sag deiner Seele,
sie soll ihr
schönstes Kleid tragen
heute abend.
Sag ihr,
es ist soweit:
die Sterne haben
ihren Segen gegeben.
Was nun geschieht,
führt näher ans Licht.

Hans Kruppa

Manche Menschen finden sich heute in Kreisen zu einem Ritual zusammen,
um das zarte neue Licht zu begrüßen,
leise,
behutsam verhalten,
und zuweilen auch einfach still.
Ganz innig,
bis vielleicht ein Lied aus dem Herzen aufsteigt,
die Freude und Dankbarkeit sich hinaus-singen will.

Ich lade Dich ein, für eine kleine Weile ganz innen bei Dir zu sein,
bis Du das kleine zarte Licht in Dir sehen kannst,
es mütterlich begrüßt
und wiegst und nährst in Dir,
in Einheit verbunden mit der großen Mutter Erde.
Dieses kleine Licht will zunehmen in Dir
und Deinen Weg in ein neues Land führen.

Vielleicht magst Du dann einstimmen in den Gesang von
Mirabai Ceiba, oder einfach zuhören:

“Que el eterno sol te illumine
El amor te rodee
Y la luz pura interior
Guie tu camino“

„Möge die ewige Sonne Dir leuchten,
die Liebe Dich umgeben,
und das reine innere Licht
Dich führen auf Deinem Weg“

https://www.youtube.com/watch?v=UnFlM7gd7nE

Ich wünsche Dir heute noch eine tief beglückende Zeit
mit dem neuen Lichtkind,
geborgen umhüllt vom wohligen Mantel der Dunkelheit.

Herzliche Grüße
Christa Maria Mara

23. Tag im Advent 2015

Ihr Lieben,

wir sind am Abend, der uns in die längste Nacht
hineinführen will, hinüber in den kürzesten Tag dieses Jahres.
Die Schritte in die tiefste Dunkelheit, in die lautloseste Stille,
dürfen wir heute Nacht vollziehen.
Hinein in die Gebärmutter des neuen Lebenslichtes,
hinein in den Raum des Geheimnisses,
das aus dem unbegreiflichen EinsSein
ganz behutsam und von der Dunkelheit sorgsam umhüllt,
das neue Licht aufkeimen,
als zarte Ahnung aufscheinen lassen wird.

Die folgende Hymne auf die Stille mag Dich vielleicht in ein tieferes Erspüren und Erleben dieses Geschehens hinein- und hindurch-geleiten.
Der Text stammt aus einer anderen Zeit, in der es selbstverständlich war, die Quelle des Lebens mit Herr anzusprechen. Auch das darf gewesen sein und hat uns dorthin geführt, wo wir jetzt sind.
Vielleicht magst Du ‚Herr‘ durch ‚Gottöttin‘ (Sabine Wolf) ersetzen?…oder wie auch immer.

Ich wünsche Dir eine gute lange Nacht und die tiefe Gewissheit und Freude,
dass dann, wenn das Begreifen und die Sicht am Ende sind,
wenn alles hingegeben und losgelassen ist,
aber auch erst dann,
das Neue sich gebiert.

Liebe Herz-Licht-Grüße
Christa Maria Mara

ANTOINE DE SAINT EXUPÉRY
Hymne auf die Stille

Stille,
du Musikantin der Früchte,
die du die Keller, die Kammern und Speicher bewohnst.
Du Gefäß voller Honig,
den der Fleiß der Bienen ansammelt.
Du Ruhe des Meeres in seiner Fülle.
Stille,
in die ich die Stadt von der Höhe der Berge einschließe,
ihren verstummten Wagenlärm,
ihre Schreie und den hellen Klang ihrer Schmiedehämmer.
Alle diese Dinge sind schon im Gefäße des Abends aufgehoben.
Gott wacht über unserem Fieber,
sein Mantel breitet sich über die Unruhe der Menschen.
Stille der Frauen,
die nur noch Fleisch sind, in dem die Frucht reift.
Stille der Frauen,
unter dem Vorrat ihrer schweren Brüste.
Stille der Frauen,
in der alle die Eitelkeiten des Tages und des Lebens,
das die Garbe der Tage ist,
zur Ruhe kamen.
Stille der Frauen,
die Heiligtum ist und Fortdauer.
Stille,
in der sich dem kommenden Tag entgegen
der einzige Lauf vollzieht, der einem Ziel entgegenführt.
Sie hört das Kind, das in ihrem Leibe stößt.
Stille,
Verwahrerin, in die ich meine ganze Ehre
und mein ganzes Blut einschloss.
Stille des Menschen, der sich aufstützt, und nachdenkt,
der fortan ohne Aufwand empfängt,
und dem Gehalt seiner Gedanken eine Form gibt.
Stille, die ihn erkennen lässt,
und seine Unwissenheit möglich macht,
denn zuweilen ist es gut, dass er nicht weiß.
Stille, die sich den Würmern, den Schmarotzern und
den schädlichen Gräsern versagt.
Stille, die dich bei der Entfaltung deiner Gedanken behütet,
Stille, die selbst die Gedanken erfüllt.
Ruhe der Bienen, denn der Honig ist bereitet
und soll nur noch ein vergrabener Schatz sein,
und ein Schatz, der reift.
Stille der Gedanken, die ihre Flügel breiten,
denn es ist schlecht, wenn du in deinem Geiste
oder in deinem Herzen unruhig bist.
Stille des Herzens,
Stille der Sinne,
Stille der inneren Worte,
denn es ist gut, wenn du Gott wieder findest,
der die Stille im Ewigen ist,
wenn alles gesagt, wenn alles getan ist.
Stille Gottes,
die dem Schlafe des Hirten gleicht,
obwohl dann die Lämmer von den Schafen bedroht zu sein scheinen,
ist es der süßeste Schlaf, wenn es keinen Hirten,
und keine Herde mehr gibt,
denn wer vermöchte sie voneinander zu unterscheiden
unter den Sternen, wenn alles Schlaf ist,
wenn alles ein einziger, wollener Schlaf ist?
O Herr, möchtest du eines Tages,
wenn du unsere Schöpfung in die Scheuer einbringst,
jenes große Tor für die geschwätzige Masse der Menschen öffnen?
Möchtest du in einem ewigen Stall ihren Platz weisen,
wenn die Zeiten vollendet sind?
Und unseren Fragen ihren Sinn nehmen,
wie man die Krankheiten heilt?
Denn es ist mir vergönnt zu begreifen,
dass aller Fortschritt des Menschen in der Entdeckung besteht,
wie seinen Fragen,
einer nach der anderen,
kein Sinn innewohnt.
Hab‘ ich doch meine Weisen befragt,
und sie haben nicht etwa einige Antworten auf die Fragen des Lebens des letzten Jahres gefunden.
Nein, Herr,
sie lächeln heute über sich selber,
denn die Wahrheit kam ihnen als das Auslöschen einer Frage.
Ich weiß wohl, Herr,
dass die Weisheit nicht in der Antwort besteht,
sondern dass sie von der wetterwendischen Sprache erlöst.
Und das gilt auch für die Liebenden,
die auf der niedrigen Mauer vor der Orangenpflanzung sitzen,
Schulter an Schulter mit baumelnden Beinen,
und genau wissen, dass sie auf die Fragen keine Antwort erhielten,
die sie gestern gestellt haben.
Ich kenne aber die Liebe,
und weiß, sie besteht darin, dass keine Frage mehr gestellt wird.
Und ich überwinde Gegensatz um Gegensatz,
und schreite auf die Stille aller Fragen zu.
So finde ich die Seligkeit.
O, die Schwätzer,
wie sehr haben sie die Menschen verdorben!
Der ist töricht, der von Gott eine Antwort erwartet,
Wenn ER dich aufnimmt,
wenn Er dich heilt,
so geschieht es, weil Er mit seiner Hand deine Fragen
gleich dem Fieber von dir nimmt.
So ist es.
Herr, wenn du deine Schöpfung eines Tages in die Scheuer einbringst,
so öffne das doppelte Scheunentor
und lass uns dort eintreten, wo nicht mehr geantwortet wird.
Denn dort gibt es keine Antwort mehr,
aber die Seligkeit, die der Schlussstein der Fragen ist,
und die Schau, die befriedigt.
Und jener Liebende wird die Weite des süßen Wassers entdecken,
die umfassender ist als die Weite des Meeres,
und er wird gewahr werden, dass ihn seine Ahnung nicht trog,
als er das Rauschen der Brunnen hörte,
als er die Beine baumeln ließ und sich an die Geliebte schmiegte,
die doch nur eine zu Tode gehetzte Gazelle war
und ein wenig aufatmete an seinem Herzen.
Stille,
Hafen des Schiffes,
Stille in Gott,
Hafen aller Schiffe.

4. Sonntag im Advent 2015

Link

Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Dich zu einem Meditationsflashmob mit Thich Nhat Hanh auf dem Trafalgar Square entführen.

https://www.youtube.com/watch?v=mqZA5cToPgs

Text beim Flashmob:
Michael Stillwater – Thich Nhat Hanh – The End of Suffering lyrics

May the sound of this bell penetrate deep into the cosmos
Even in the darkest spots living beings are able to hear it clearly
So that all suffering in them ceases,
understanding comes to their heart
And they transcend the path of sorrow and death.

The universal dharma door is already open
The sound of the rising tide is heard clearly
The miracle happens
A beautiful child appears in the heart of the lotus flower
One single drop of this compassionate water is enough to
bring back the refreshing spring to our mountains and rivers.

Listening to the bell I feel the afflictions in me begin to dissolve
My mind calm, my body relaxed
A smile is born on my lips
Following the sound of the bell, my breath brings me back to the
safe island of mindfulness
In the garden of my heart, the flowers of peace bloom beautifully.

Magst Du Dich berühren und mitnehmen lassen von den wunderschönen Gesten, entspannten Gesichtern und verheißungsvollen Worten und Tönen?
Mögen in Deinem Herzen die Friedensblumen in ihre volle Schönheit erblühen!

Ich wünsche Dir eine erholsame Zeit auf der sicheren Insel Deiner Achtsamkeit!
Herzensgrüße
Christa Maria Mara

21. Tag im Advent 2015

Ihr Lieben,
heute schicke ich Dir eine kleine abendliche Geschichte, noch einmal von
Sue Monk Kidd:

„Mir fällt in Geschichte ein, die mir meine Großmutter immer erzählte, als ich klein war.
Ein kleines Mädchen in zerlumpten Kleidern stand auf Zehenspitzen vor einem Schaufenster voller Weihnachtsträume-einem funkelnden roten Dreirad, einer Puppe mit goldenen Locken, einem kuscheligen Pandabär. Ihre Augen wurden immer größer.
In diesem Moment kam eine Freundin von ihr vorbei.
„Wie schade, dass du zu Weihnachten nichts kriegen wirst“, sagte sie.
„Aber ich bekomm doch was!“, sagte das Mädchen in den schäbigen Kleidern.
„Du hast selbst gesagt, dass deine Eltern pleite sind, und es keine Geschenke gibt.“
Das Mädchen drückte sein Gesicht ans Glas. „Stimmt. Aber ich habe Gott gebeten, mir etwas zu schicken.“
Die Freundin schüttelte den Kopf und hüpfte davon.
Nach Weihnachten trafen sich die beiden Mädchen wieder.
„Hast du dein Geschenk nun bekommen?“, fragte die skeptische Freundin.
Das kleine Mädchen senkte den Kopf. „Nein.“
„Gott hat dein Gebet also nicht erhört“, sagte die Freundin.
„Gott hat bestimmt jemandem gesagt, er soll mir ein Geschenk bringen“, sagte das Mädchen in den Lumpenkleidern.
„Aber der hat’s wohl vergessen.“

Irgendwo gibt es eine Kirche, in der hängt ein Kreuz mit einem Christuskorpus ohne Hände und Füße.
Darunter stehen die Worte:
„ich habe keine anderen Hände und keine anderen Füße als eure“.

Ohne christliches Vokabular ausgedrückt:
Da wir alle eins sind mit der Quelle allen Lebens, kann jede/jeder von uns Wasser des Lebens, Gott, Göttin, Himmelsbote, Friedenslicht…. für andere sein.

Vielleicht magst Du den für Dich stimmigen Begriff oder Titel finden, der Dein Herz so bewegt, dass Deine Hände freudig tätig werden und Deine Füße gerne losgehen, um gerade in diesen Tagen noch jemandem die Gewissheit zu schenken, dass das Leben ihn/sie nicht vergessen hat.

Ich wünsche Dir einen guten Abend
und grüße Dich von Herzen
Christa Maria Mara

20. Tag im Advent 2015

Ihr Lieben,

im vergangenen Jahr ist irgendwie „zufällig“ das kleine Buch „Schule des Lebens – Ein spirituelles Lesebuch“ von Su Monk Kidd zu mir gekommen. Sie ist die Autorin des mit einem ganz eigenen Zauber berührenden Roman-Bestsellers „Die Bienenhüterin“

Ich habe in diesem Lesebuch einige kostbare Perlen gefunden. Eine davon möchte ich Euch heute zeigen.

„An einem Montagmorgen fuhr ich zur Kirche. „Ich muss mit der Stille in Verbindung bleiben“, sagte ich zu mir.
Der Kultraum selbst war geschlossen, doch ich fand schließlich die Putzfrau, die einen Schlüssel hatte. Sie verstand nicht, was ich an einem Montag hier wollte. „Gottesdienst war gestern“, sagte sie entschuldigend.
„Ich weiß. Ich möchte mich einfach eine Weile hineinsetzen.“
Weshalb kam ich mir so albern vor? Im Korridor vor dem Kultraum heulte der Staubsauger der Putzfrau laut. Die Farben der Kirchenfenster schienen auf mich herab. Vielleicht lag es am Staubsauger, vielleicht an mir selbst, aber sogar die Kirchenfenster weckten kein besonderes Gefühl des Heiligen in mir. Wo war Gott? Eine tiefe Sehnsucht erfasste mich.

An jenem Montag erkannte ich, dass ich mir über eine Sache klar werden musste: Wenn ich mein Leben auf die Gegenwart Gottes ausrichten wollte, dann musste ich überprüfen, wo ich diese eigentlich zu finden glaubte. Hatte ich Gottes Gegenwart auf das beschränkt, was mir als heilig erschien- auf geweihte Stätten und von der Kirche inszenierte Momente? Hatte ich angenommen, in der materiellen Welt sei Gott mehr oder weniger abwesend? Hatte ich das Alltägliche vom Geistlichen losgelöst, hatte ich banale von heiligen Augenblicken getrennt?
Was hat ein Staubsauger mit Gott zu tun? Die Frage war wichtig, ganz wesentlich wichtig. Dieses Erlebnis mag trivial und albern klingen, aber für mich bedeutete es einen Wendepunkt. Gott – das wurde mir klar- sind bunte Kirchenfenster egal.

Am selben Nachmittag saß ich in der Stadt auf einer Bank, während mein Sohn auf einer alten Kanone vor dem Gerichtsgebäude herumturnte. Ich sah die Bushaltestelle nahe dieser Bank an der Ecke und eine Menschenschlange davor, Mein Blick fiel auf eine alte Frau, die einen blauen Pulli auf dem Kopf trug, den sie unter ihrem Kinn wie ein Kopftuch zugeknöpft hatte. Ein banales, gewöhnliches Stück Leben. Aber während ich so dasaß, umgeben von Auspuffgasen und Verkehrslärm, fand ich irgendwie in die Stille meines Herzens zurück, und ich erinnere mich noch heute, wie es mir vor Liebe zu der Alten mit dem blauen Pulli fast den Atem verschlug. Der ganze Augenblick war voller Göttlichkeit. Gott war die Auspuffgase, die Sonne, welche schräg vom Dach des Gerichtsgebäudes blitzte, das Ächzen des Busses – und die alte Frau. Als ob ein Schleier weggezogen worden wäre. Als ob ich sähe, was wirklich ist. Das göttliche Leben brach in das Hier und Jetzt ein. Der Lärm wurde zu Musik.

In jenem Moment begann mein tief sitzender innerer Zwiespalt zu heilen. Gott war das Dampfen meiner Suppe, der entwurzelte Baum, das Graffiti auf der Hausmauer, der Rost am Zaun. Es war möglich, inmitten nervender Leute oder beim Zwiebelschälen oder während ich mit meinen quengelnden Kindern die Dachrinnen von faulendem Laub befreite, Erfahrungen mit der Wirklichkeit des Absoluten zu machen. Hildegard von Bingen sagte: „Gott liebt alles Weibliche.“ Wie recht sie hatte.

Was immer das große Mysterium ist: Alles, was im Universum existiert, ist eine Erscheinung, eine Ausdrucksform von ihm. Das Unaussprechliche und Unbeschreibliche dieses Mysteriums durchdringt alles. Alles. Die Giraffe, den Regenwald, das Rispengras, das Torfmoos, die Klapperschlange, den Menschen. Wenn das Mysterium göttliche Musik ist, dann auch das Universum. Das Universum ist ein einziges großartiges, harmonisches Konzert, eine Symphonie göttlicher Musik.“

Ich wünsche Dir heute noch beglückende Momente der Entschleierung
und des erfüllenden Eintauchens in die Musik des Universums

und grüße Dich herzlich
Christa Maria Mara

19. Tag im Advent 2015

Guten Tag Ihr Lieben,

„Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit.
Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt es.“

Thich Nhat Hanh, Das Glück einen Baum zu umarmen

Ich lade Dich ein, diese Aussage ganz langsam nochmals zu lesen, diese Worte zu kosten, sie Dir auf der Zunge zergehen zu lassen, damit ihre Information und ihre Kraft in alle Deine Fingerspitzen, ja, in jede Deiner Zellen fließen können.

So einfach ist es, wenn wir uns achten und ernstnehmen:
Du selbst
bist Zauberer/Zauberin,
Wandler/Wandlerin und
Heiler/Heilerin!

Du kannst mit Deiner sowohl achtsamen körperlichen, als auch seelisch-geistigen Berührung die verborgene Schönheit in die Sichtbarkeit und Wahrnehmbarkeit zaubern.
Du kannst das Schmerzvolle mit Deiner sowohl achtsamen körperlichen, als auch seelisch-geistigen Berührung wandeln und heilen.

Ich lade Dich ein, heute noch damit anzufangen.
Und wenn wir diesen ersten Schritt getan und damit einen neuen Prozess initiiert haben, fügen sich oft noch weitere helfende Kräfte wie von selbst hinzu.

Damit Du leicht in eine achtsame, weich und heilsam fließende Energie kommst, habe ich das Musikstück „Spiegel im Spiegel“ für Cello und Klavier von Arvo Pärt als unterstützenden Hintergrund ausgewählt:

Doch zunächst entscheide, was Du berühren möchtest:
• es kann eine Körperstelle sein, deren innere Schönheit und besondere Qualität Du ins Fließen bringen willst, z.B. Dein Herz, deine Stirn, Deine Hände….

• es kann eine Körperstelle oder ein Organ sein, das schmerzt oder geschwächt ist, oder das Deine besondere Zuwendung braucht, weil Du es vernachlässigt hast,

• es kann ein Thema in Deinem Leben, eine Angst, eine Verletzung, ein seelischer Schmerz o.ä. sein.
In diesem Fall ist es gut, wenn Du
für einen Moment die Augen schließt,
mit Deiner Aufmerksamkeit ganz zu Dir gehst,
jetzt an Dein Thema denkst,
und nun nimm wahr, an welcher Stelle an Deinem Körper Du dieses Thema ganz besonders spürst,
welche Stelle an Deinem Körper möchte von Dir berührt werden, wenn Du an Dein Thema denkst?

• Schließe zunächst Deine Augen und erlaube Dir, ganz entspannt zu werden, indem Du ein paar Atemzüge lang einfach dem Rhythmus Deines Atems zuschaust.

Mit jedem Einatmen nimmst Du Ruhe und Gelassenheit in Dich auf, bei jedem Ausatmen gibst Du die Erlaubnis, dass alles hinausziehen darf, was Du nicht mehr brauchst, und was Dir nicht mehr gut tut.
Wenn Du ruhig, entspannt und ganz bei Dir bist,

• dann mach die Musik an

• und lege Deine Hände auf die gewählte Körperstelle
Lass Dich innerlich von der Musik berühren, inspirieren, leiten, weich und fließend werden,

• erlaube, dass aus Deinen ganzen Händen und aus Deinen Fingerspitzen sanfte, heilsame Energie in die berührte Stelle und in Dein Thema fließt- und lass es zu, wenn Dein Körper weich und biegsam mit der Musik mitschwingen möchte.

Erlaube Dir dabei, dass Dein Gemüt weich wird,
dass Verhärtetes, Erstarrtes in Dir und unter Deinen Fingern zu schmelzen beginnt,
dass das Wasser des Lebens in allen Deinen Zellen wieder frei zu fließen beginnt…..

• Wenn die Musik zu Ende ist, dann lass das Ganze noch etwas nachklingen in Dir, und nimm ganz bewusst wahr, ob sich etwas verändert hat.

Vielleicht gibt es auch jemanden, dem Du gerne diese heilende und Schönheit weckende Berührung schenken möchtest,
oder einen Menschen, den Du bitten willst, Dich in heilender Weise zu berühren zu dieser Musik?

Welche Variante Du auch immer wählst,
ich wünsche Dir einen erholsamen Abend,
erfüllt von Schönheit, Wandlung und Heilung,

und grüße Dich herzlich
Christa Maria Mara

18. Tag im Advent 2015

Ihr Lieben,

für heute habe ich eine kleine Geschichte aus dem Umfeld der südamerikanischen Indianer ausgewählt, die Dir vielleicht helfen mag, etwas ganz Wesentliches in Deinem Leben zu entdecken.

 

Eine Frau aus dem Süden Chiles erzählte folgende Begebenheit aus ihrer Kindheit:
Eine alte Indianerin pflegte meiner Mutter stets ein paar Rebhuhneier oder eine Handvoll Waldbeeren zu bringen.

Meine Mutter sprach kein Araukanisch, mit Ausnahme des begrüßenden „Mai-mai“,
und die Indianerin konnte kein Spanisch,
doch sie genoss Tee und Kuchen mit anerkennendem Lächeln.

Wir Mädchen bestaunten die farbigen, handgewebten Umhänge, von denen sie mehrere übereinander trug,
ihre kupfernen Armbänder und ihre Halsketten aus Silbermünzen.

Wir wetteiferten bei dem Versuch, den melodischen Satz zu behalten, den sie jedes Mal zum Abschied sagte.

Schließlich konnten wir ihn auswendig, und ein Missionar, der beide Sprachen konnte, hat ihn uns auf unsere Bitte hin übersetzt:
“Ich werde wiederkommen;
denn ich liebe mich, wenn ich bei euch bin.“

(Leider konnte ich die genaue Quelle dieser Geschichte nicht herausfinden)

„…ich liebe mich, wenn ich bei euch bin.“

Heute lade ich Dich ein, Dir diese Übung der Achtsamkeit zu eigen zu machen:

Nimm aufmerksam und ganz bewusst wahr,

• in Gegenwart welches Menschen/welcher Menschen fällt es Dir leicht,
- Dich zu fühlen,
- Dich zu lieben,
- Dich zu zeigen,
- entspannt und unverstellt Du selbst zu sein?
• In welchen Situationen und Unternehmungen mit Menschen fällt Dir dies leicht?
- im gemeinsamen praktischen Tun?
- bei einer ganz bestimmten Tätigkeit?
- musizierend, singend, tanzend?
- Im Gespräch mit anderen?
- Oder eher im gemeinsamen Schweigen?
- …?
- …?

• An welchen Orten?
- in der Natur?
- in bestimmten Räumen?
- an einem ganz bestimmten Ort der Kraft?
- …?
- …?

Wenn Du gründlich ins achtsame Erforschen eingestiegen bist, wirst Du wahrscheinlich die Frageliste ergänzen und ausdifferenzieren.

Es geht nicht darum, eilige Schlüsse aus dem Wahrgenommenen zu ziehen,
und schon gar nicht wäre es hilfreich, wenn Du in Deinem Geist sofort andere Menschen dafür verantwortlich machst, wenn es Dir nicht gelingt, Dich in ihrer Gegenwart zu lieben.

Erst einmal ist es nur wichtig, dass Du Dir selbst diese gesammelte, interessierte Aufmerksamkeit schenkst.

Allein dies ist schon eine deutliche und bewusste Hinwendung zu Dir selbst,
ein Achten Deiner Würde,
ein Horchen in Dein Leben hinein.
So, mit offenem Herzen forschend, bist Du bereits auf dem Pfad der Liebe zu Dir selbst.

Aus dieser Achtsamkeit heraus,
und aus der Liebe, die Du Dir auf diese Weise schenkst,
werden sich zu gegebener Zeit wie von selbst die „not-wendigen“ lebenspraktischen Schlüsse und Schritte ergeben.

Du wirst am Ende ein feines Gespür dafür entwickelt haben, was Deine natürlichen, wesensgemäßen Resonanzen sind,
was Deine Obertöne aktiviert,
und was Du selbst für das Ertönen Deines erfüllenden Wohlklangs in Dein Leben hinein tun kannst….

Ich wünsche Dir für heute noch Zeit, Menschen, Gegebenheiten…, die Dich aus vollem Herzen sagen lassen:

„ich liebe mich, wenn ich bei Dir bin/bei Euch bin/ so da bin…“

Liebe Grüße
Christa Maria Mara

17. Tag im Advent 2015

Ihr Lieben,

noch einmal möchte ich heute eine kurze Geschichte aus dem Weisheitsschatz des Sufismus mit Euch teilen (Sufis sind die Mystiker des Orients).

Eine Unterhaltung zwischen einem Sufi und einem Fragesteller:
„Welche Behauptung soll man wählen, wenn sich die Aussagen zweier Sufis widersprechen?“
„Sie widersprechen sich nur, wenn man sie getrennt betrachtet.
Wenn du in die Hände klatschst und nur die Bewegungen der einzelnen Hände beobachtest, scheinen sie gegeneinander zu arbeiten. Du hast nicht gesehen, was geschieht.
Die Absicht des ‚Widerspruchs‘ der Hände lag natürlich darin, das Klatschen zu bewirken.“

Entnommen aus „Das Zauberkloster“ von Idries Shah

Ich möchte nicht viele Worte machen, die vielleicht dieser Geschichte, die ich sehr eindrücklich und machtvoll finde, ihre Kraft nehmen würden.

Unbedingt ermutigen möchte ich Dich aber,
die beiden konträren Seiten eines eigenen Konflikts, in dem Du eventuell gerade stehst,
ganz bewusst konkret in Deine beiden Hände als Platzhalter zu bringen
und diese in einem kraftvollen Klatschen zusammenzubringen.
Und jetzt nimm aufmerksam wahr, ob sich durch das Klatschen etwas verändert hat.
Wie fühlst Du Dich, wenn Du jetzt an Dein Problem, an Deinen Konflikt denkst?

Ich wünsche Dir viel Freude und klärende Energie beim Klatschen!

Herzliche Grüße
Christa Maria Mara